Opium fürs Volk

Wie oft ist MTV wohl in den 25 Jahren seines Bestehens mit diesem Ausspruch Lenins und Marx betitelt worden? Wohl mindestens ebenso oft, wie ich es bedauert habe, nicht doch ein paar Jährchen früher geboren worden zu sein.

Nun ist MTV also dieser Tage 25 jahre alt geworden und irgendwie kann man sich als Konsument gleichen Alters nicht so richtig einfühlen in die schwelgerischen Erinnerungen von Leuten, die den Start und die frühen Tage dieses Musikfernsehens noch aktiv miterlebten.

So strotzen die Feuilletons der Nation derzeit von Nachrufen auf die coole Zeit damals in den Anfangstagen von MTV. Leider war ich damals noch zu jung, um die wirklich guten Musikvideos zu mögen und aktiv mitzuerleben. Ich kann mich noch erinnern, dass das erste, was ich von MTV bewußt miterlebt habe und in meinem doch noch recht jungen Kulturverständniss als “Pop” zuordnen konnte, war tatsächlich Ray Cokes, der mir mit seiner damals recht anarchischen Show viel Freude bereitet hat (auch wenn ich nicht immer alles verstanden habe, aber immerhin tat sich hier noch der pädagogische Anreiz für mich auf, Englisch zu lernen). Von The Clash oder Madness hörte ich erst einige Jahre später und durfte sie dann viel zu spät lieben lernen. Auch das ist einigermaßen ärgerlich, wenn man auf Parties zugeben muss, dass man ein ganzes Jahrzehnt guter Musik erst entdeckte, als es quasi schon vorbei war. da bleibt einem nur der Trost, dass auf die selbe Art und Weise auch die ganze schreckliche Pop Musik der Achtziger ziemlich unbeachtet an einem vorbei gegangen ist. So blieb mir die Revolution, die MTV wohl war, immer eher verborgen und ich akzeptierte es von vornherein als Bestandteil einer Kultur, in die ich hineinwuchs.

Insofern danke MTV für die Jahre, in denen Du auch mich begleitet hast und für die vielen Stunden sinnloser Unterhaltung. Und vielleicht, aber nur vielleicht, entdeckst ja auch Du selber wieder, was genau es mal war, das Dich so einzigartig gemacht hat und was Dir heute komplett fehlt.

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